Ampelspiel und Beuteschema
Vor ein paar Tagen waren wir zu dritt im Tierpark Schönbrunn.
Um Kilian die mitunter langen Wege im Zoo schmackhaft zu machen nehmen wir gerne seinen dreirädrigen Scooter mit – er flitzt uns damit davon und wird in seiner Unbekümmertheit, mit der er sich selbstsicher jede Steigung hinunterschmeisst und durch alle Menschenmassen navigiert (immer haarscharf jede Kollision vermeidend), selbst jedesmal zu einer vielbeachteten und bewunderten Attraktion im Zoo.
Am Weg vom oberhalb des Tierparks gelegenen Parkplatz zum Eingang durchquert man den Schönbrunner Schloßpark, schon eine autofreie Zone und eine immer wieder angenehme Annäherung an die Gehegestruktur des Zoos mit seinem klar definierten Wegeraster.
Auf diesem Weg erfand Kilian diesmal mit seinem Scooter ein neues Spiel – er rief immer wieder “Alle Lichter rot” und blieb abrupt mit seinem Gefährt stehen. Nach einigen Momenten rief er dann “Alle Lichter grün” und fuhr weiter.
Er hat seine Beobachtungen der Ampelphasen in seine auto-mobile Fortbewegung übertragen und spielt sich in Ermangelung tatsächlicher Ampelschaltungen die Lichtsignale am Fußweg selbst vor.
Wir waren schon mal ziemlich baff und erstaunt.
Eine etwas unheimliche Steigerung unseres Erstaunens gab es dann beim zufälligen Vorbeifahren (Kilian) bzw. -gehen (Kerstin und ich) am Löwengehege. Die Löwen waren samt und sonders zuerst alle sehr träge und in klassischer Faulenzerposition auf diversen Podesten. Als jedoch Kilian, unbeeindruckt von den Bewohnern, das Löwengehege auf seinem Scooter umrundete, sprang eines der Weibchen schnurstraks von seinem Podest herunter und verfolgte Kilian auf seiner Runde, ihn dabei mit starrem Blick fixierend. Kerstin bemerkte es zuerst und wir waren in sofortiger Instinktreaktion richtig besorgt um unser Kind – natürlich sind die Löwen hinter dickem Glas sicher eingesperrt, aber das offensichtliche Erfüllen des Beuteschemas durch Kilians Größe und die gleichmässige Bewegung auf dem Scooter jagte uns Schauer und Schrecken ins Gebein. Wir machten uns hinter Kilian her und lotsten ihn so rasch es ging in einen anderen Bereich des Tierparks, wo es niemand auf ihn abgesehen hatte.
TomTom · 4. September 2009
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